Beitragsbild Studie Trends im Handel 2025

Studie: Mehrzahl der Händler ist nicht dort, wo die Kunden sind

Der stationäre Handel ist in den meisten Warengruppen weiter erste Anlaufstelle für Konsumenten, muss aber viel investieren, um seine Vorrangstellung gegenüber den digitalen Wettbewerbern verteidigen zu können. Das zeigen die Ergebnisse der im November 2016 veröffentlichten Studie „Trends im Handel 2025“. Dass die Mehrzahl der stationären Händler jedoch nicht dort präsent ist, wo die Kunden sind, macht eine andere neue Studie deutlich.

 

Studie „Trends im Handel 2025“: „Einkaufserlebnis und die Verknüpfung mit digitalen Innovationen essentiell“

Trotz wachsender Konkurrenz durch Internet- und Versandhandel ist es nach aktuellen Zahlen der Studie „Trends im Handel 2025“ von KPMG, EHI, HDE und Kantar TNS (ehemals TNS Infratest) drei von vier Kunden „auch in Zukunft wichtig, im Laden einkaufen zu können“. Dabei erwarten die Kunden neue Bestell- und Liefermöglichkeiten (wie zum Beispiel Same-Day-Delivery) sowie eine stärkere, nahtlose Verknüpfung aller Geschäftsprozesse. Für die Studie wurden rund 1 000 Bundesbürger in einer repräsentativen Umfrage zu ihrem Einkaufsverhalten und ihren -erwartungen befragt.

Die Kundenaussagen deuten auch darauf hin, dass der Online-Handel in Deutschland in den kommenden fünf Jahren je nach Branche voraussichtlich zwischen vier und neun Prozent wachsen wird – und damit langsamer als bisher. Überdurchschnittliche Zuwachsraten sind in den Bereichen Elektrogeräte, Möbel und Baumärkte zu erwarten und zudem vor allem in einkommensstarken Haushalten.

Stefan Genth vom HDE mit einem Zitat zur Studie Trends im Handel 2025

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland HDE: „In Zeiten des immer weiter wachsenden Online-Handels sind im stationären Handel das Einkaufserlebnis und die Verknüpfung mit digitalen Innovationen essentiell, um die Kunden vom eigenen Angebot zu überzeugen. Dabei kommt der Integration von Technik eine immer größere Bedeutung zu – sei es beispielsweise in Form interaktiver Schaufenster oder virtueller Umkleidekabinen. Darüber hinaus gibt es einen Trend zu hochwertiger Warenpräsentation, die Ansprüche der Kunden steigen. Am Ende des aktuellen Umbruchs im Einzelhandel werden die Handelsunternehmen erfolgreich sein, die Online und Offline am besten miteinander verzahnen.“

Omni-Channel-Konzepte gewinnen an Bedeutung

Im vergangenen Jahr betrug der gesamte Einzelhandelsumsatz 472,4 Mrd. Euro; der Marktanteil des Online-Handels liegt laut Studie bei rund zehn Prozent. Vor allem Kunden zwischen 16 und 39 Jahren und aus Haushalten mit mittlerem und höherem Einkommen erwarten zunehmend, dass ihnen der Handel ein nahtloses Einkaufserlebnis auf allen Kanälen gewährleistet. Bereits überdurchschnittlich hoch ist die Nutzungsrelevanz von Omni-Channel-Konzepten in den Bereichen Elektrogeräte, Möbel/Einrichtung/Dekoration und Baumarktartikel.

„Die Kunden möchten beides: den Einkaufsbummel in der Stadt ebenso wie die schnelle Beschaffung über das Internet. Sie möchten beispielsweise Ware online bestellen und im Geschäft abholen oder zurückgeben können. Viele Handelsunternehmen sehen dies als eine der größten technischen und organisatorischen Herausforderungen der kommenden Jahre an. Bei zwei von drei Handelsunternehmen hat die kanalübergreifende Prozessintegration höchste Priorität“, erklärt Michael Gerling, Geschäftsführer vom EHI Retail Institute.

Mark Sievers, Head of Consumer Markets bei KPMG, ergänzt: „Die Grenzen zwischen stationärem Geschäft, Internet und Mobile Shopping verschwinden zusehends. Die Unternehmen müssen sich zunehmend Gedanken über die künftige Ausrichtung ihre Geschäftsmodelle und die Art der Wertschöpfung machen. Wir sehen den Trend in Richtung eines wahrhaft kundenzentrierten Omni-Business, das alle Geschäftsprozesse und Systeme entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit Hilfe neuer Technologien vernetzt. Alles zielt darauf ab, dem einzelnen Kunden maßgeschneiderte Produkte und Einkaufserlebnisse zu bieten – wo und wie auch immer, in jedem Fall aber genau dann, wenn er sie sich wünscht.“

Zitat Michael Gerling vom EHI Retail Institute zur Studie Trends im Handel 2025

Bonial-Studie „Zukunft des Handels – Was schafft Frequenz“: Mehrzahl der Händler ist nicht dort, wo die Kunden sind

Eine aktuelle Studie zum digitalen Kaufverhalten deutscher Konsumenten des eWeb Research Centers der Hochschule Niederrhein zusammen mit dem HDE und Bonial zeigt jedoch: Viele stationäre Händler sind nicht da, wo die Kunden sich aufhalten – nämlich im Netz, vor allem im mobilen Internet. So gaben mehr als 77 Prozent der Studienteilnehmer an, sich vor einem Ladenbesuch auf ihrem Smartphone zu informieren; zudem interessiert sich die Mehrheit der Befragten (70 Prozent) vor allem für lokale Angebote – eigentlich ein klarer Pluspunkt für den stationären Handel. Doch die Händler präsentieren sich aktuell noch immer zumeist offline.

„Offensichtlich nehmen viele Händler die Erwartungen ihrer Kunden nicht ernst. Das ist ein Alarmsignal, denn die Kunden wenden sich sonst wieder verstärkt dem Online-Handel zu“, erklärt Prof. Dr. Gerrit Heinemann vom eWeb Research Center und wissenschaftlicher Leiter der Studie. „Die Kunden haben in den vergangenen zwei Jahren sehr wohlwollend die digitalen Aktivitäten der Händler unterstützt, erleben diesbezüglich aber oft große Frustration, da viele Multi-Channel-Services schlicht und ergreifend nicht funktionieren“, so Heinemann weiter.

Insgesamt suche der stationäre Handel nach Möglichkeiten, für Kunden wieder attraktiver zu werden: Verkaufsoffene Sonntage und der Ruf nach gelockerten Öffnungszeiten seien nur einige Ideen, um mehr Konsumenten in die Innenstädte und die Geschäfte zu ziehen. Viele Multichannel-Möglichkeiten wie Artikelreservierung oder Click & Collect seien noch nicht im Bewusstsein der Konsumenten verankert – hier herrsche eindeutig Potenzial für den stationären Handel, sich von reinen Online-Shops abzuheben. Denn: Nur eine Minderheit der Studienteilnehmer (17 Prozent) zieht keinen stationären Händler in Betracht. Und sind die Kunden vor Ort am POS, bleiben Smartphone oder Tablet in der Tasche. Die Konsumenten benötigen oftmals keine weiteren Informationen zum Produktangebot, da sie sich bereits umfassend vorab online informiert haben.

Zitat Prof. Dr. Gerrit Heinemann zur Situation der stationären Händler

„Aus Kundensicht führt kein Weg daran vorbei: Jeder Händler muss im Internet zumindest auffindbar sein“, sagt Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDE. „Es geht nicht darum, gleich mit einem perfekten Online-Shop an den Start zu gehen. Allerdings erwartet heute die Mehrzahl der stationären Kunden, dass sie Informationen über ihr bevorzugtes Geschäft auf dem mobilen Gerat jederzeit und an jedem Ort abrufen kann.“

Mit seinem Kassensystem bietet LocaFox kleinen und mittelständischen Händlern die Möglichkeit, sich mit ihrem Geschäft auch online zu präsentieren – einerseits auf dem LocaFox-Marktplatz, wo Kunden online nach Produkten aus Läden in ihrer Umgebung suchen, andererseits auch mit dem „StoreLister“, der die Öffnungszeiten und Kontaktdaten von Händlern auf über 30 Portalen wie Google MyBusiness, MeineStadt.de und Yelp listet.

Die Studie mache deutlich, wie wichtig es für die Händler sei, den Konsumenten dort abzuholen, wo er sich aufhalte und informiere: auf den digitalen Kanälen, so LocaFox-CEO Karl Josef Seilern.

 

 

Text: Thilo Grösch / Pressemitteilung | Verwendetes Beitragsbild: Titelbild Studie „Trends im Handel 2025“, KPMG | Grafiken im Text: LocaFox

Thilo Grösch

Unternehmenssprecher bei LocaFox
Thilo Grösch ist PR-Manager und Unternehmenssprecher bei LocaFox in Berlin. Der 32-jährige Wahl-Berliner und ehemalige Journalist betreut das LocaFox-Handelsblog und schreibt über den digitalen Wandel im Stationärhandel, Local Commerce, Mobile Commerce und Shopping.
E-Mail: thilo.groesch[at]locafox.de

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