Konsument googelt auf seinem Smartphone nach Produkten

Shopping digital: Bitkom-Studie zur Digitalisierung im Handel

Kunden entscheiden sich gezielt für den Einkauf im Internet oder im Geschäft. Gekauft wird immer dort, wo die meisten Vorteile erkennbar sind. Konsumenten möchten zudem die Bequemlichkeiten des Online-Handels mit den Vorzügen des Einkaufens im Laden kombinieren. So lautet das Fazit einer Bitkom-Studie, für die rund 1 150 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt wurden.

Jeder dritte Kunde wünscht sich Echtzeit-Informationen über Produkt-Verfügbarkeiten auf dem Smartphone

„Beim Shoppen schauen deutsche Verbraucher sehr genau hin und kaufen Waren gezielt dort, wo ihnen die meisten Vorteile geboten werden“, erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder, „das kann mal der Webshop und mal das Ladengeschäft vor Ort sein.“ Das Internet wird immer dann als Einkaufskanal bevorzugt, wenn es um Produkte geht, die vor einer Kaufentscheidung nicht unbedingt getestet oder angefasst werden müssen. Bücher und Unterhaltungsmedien wie Blu-rays  werden deshalb gerne im Web gekauft – 54 Prozent entscheiden sich bei diesen Produkten meist gegen den stationären Handel. Bei Elektronik-Artikeln sehen Konsumenten im Internet zudem den Vorteil, Preise und Leistungen leichter vergleichen zu können. Bei vielen anderen Produktsparten liegt der Offline-Handel vorne. Sperrige Möbel und Einrichtungsgegenstände etwa werden gerne stationär gekauft (61 Prozent). Auch für Parfüm und andere Drogerieprodukte geht die Mehrheit der Befragten (55 Prozent) ins Geschäft. Die persönliche Beratung, eine angenehme Atmosphäre und die haptische Erfahrung der Produkte sind für Verbraucher die Hauptgründe, um bestimmte Geschäfte immer wieder aufzusuchen.

 

Online zu erfahren, ob ein Artikel im Laden verfügbar ist, ist Konsumenten wichtig – 35 Prozent wünschen sich dabei Echtzeitinfos über die Produktverfügbarkeiten auf dem Smartphone.

 

Fast jeder zweite Konsument (46 Prozent) wünscht sich laut Bitkom-Umfrage jedoch die Lieferung gekaufter Waren direkt nach Hause. Fast ebenso viele Befragten gaben an, dass ihnen WLAN im Laden wichtig ist (43 Prozent). Auch die online abrufbare Information, ob ein Artikel im Laden verfügbar ist, ist Konsumenten wichtig. 35 Prozent wünschen sich sogar Echtzeitinformationen über Produktverfügbarkeiten auf dem Smartphone. 18 Prozent würden sich über eine Anhebung des Einkaufserlebnisses freuen, zum Beispiel in Form von Tablets in der Umkleidekabine, um Kleidungsstücke aus dem Verkaufsraum zu ordern, wenn die übliche Größe nicht passt. Jeder Vierte zwischen 14 und 29 Jahren interessiert sich außerdem für Virtual- und Augmented-Reality-Brillen, um Gegenstände virtuell im eigenen Zuhause abbilden zu können.

Die Vorteile des E-Commerce aus Verbrauchersicht – Mobile Commerce wird immer wichtiger

Rund 75 Prozent der Verbraucher nennen die Unabhängigkeit von Ladenöffnungszeiten als die wichtigste Motivation beim Online-Shopping, ebenso viele schätzen laut Bitkom-Studie vor allem die Warenlieferung bis an die Haustür, und zwei Drittel (67 Prozent) sehen in der Zeitersparnis – die Parkplatzsuche entfällt ebenso wie die Schlange an der Kasse – einen wichtigen Vorteil im E-Commerce. Unter den 14- bis 29-Jährigen ist für rund 68 Prozent die „größere Produktvielfalt ein wichtiger Vorteil für Online-Shops“.

 

Neun von zehn Smartphone-Shoppern holen sich mit ihrem mobilen Begleiter zumindest gelegentlich Kaufanregungen oder recherchieren zu einem Produkt.

 

Vor allem das Smartphone entwickelt sich dabei für viele zu einem wichtigen Einkaufsinstrument. Shoppten 2014 erst 20 Prozent mit dem Mobiltelefon, ist es laut Bitkom-Studie mittlerweile fast jeder Zweite (46 Prozent). Vor allem die jüngere Generation geht mit dem Smartphone auf Einkaufstour. Von den 14- bis 29-Jährigen kaufen bereits drei von vier Befragten (76 Prozent) per Smartphone ein. Neun von zehn Smartphone-Shoppern holen sich mit ihrem mobilen Begleiter zumindest gelegentlich Kaufanregungen oder recherchieren zu einem Produkt (93 Prozent).

Eine weitere interessante Zahl: 22 Prozent shoppen vor allem online, weil es in der Nähe ihres Wohnorts keine oder nur wenige Geschäfte gibt. Das gaben vor allem Bewohner kleiner Gemeinden mit weniger als 5 000 Einwohnern an: Für 40 Prozent von ihnen ist das ein wichtiger Beweggrund zum Online-Kauf.

Verzahnung von Online und Offline

Die Digitalisierung im Handel geht nur langsam vonstattenWeil sich Kunden das Beste aus beiden Welten wünschen, seien digitale Services im Handel unverzichtbar geworden, erklärt Bitkom-Handelsexpertin Julia Miosga. Stationäre Händler müssten für internetaffine Kunden daher spezielle Angebote bereithalten, um sie zu gewinnen und zu halten. Ein Omnichannel-Ansatz mit der Verzahnung von Online und Offline sei besonders sinnvoll. Dabei stellt die Digitalisierung für viele Händler eine Herausforderung dar und bereitet ihnen Probleme: So sehen sich 77 Prozent der Händler heute als Nachzügler in Sachen Digitalisierung.

„Im Netz präsent zu sein, bedeutet für stationäre Händler, für viele Kunden überhaupt erst sichtbar zu werden. Auf der anderen Seite sind begehbare Läden für Online-Player ein Showroom, in dem Kunden die Waren auch haptisch erfahren können. Die enge Verzahnung von Offline- und Online-Kanälen ist deshalb ein Muss für den erfolgreichen Händler der Zukunft“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder in der Studie.

 

Text: Thilo Grösch | Verwendestes Beitragsbild: LocaFox | Verwendete Grafik im Text: Bitkom Research (c)

 

Thilo Grösch

Unternehmenssprecher bei LocaFox
Thilo Grösch hat das LocaFox-Handelsblog aufgebaut und über den digitalen Wandel im Stationärhandel, Local Commerce, Mobile Commerce und die Zukunft des Shoppings geschrieben.

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