Shopping-Apps: So schaffen Händler einen Mehrwert

Viele Shopping-Apps von Händlern kommen bei den Nutzern nicht an, und so mancher Unternehmer fragt sich, woran das liegen mag. Wir haben uns auf Problemsuche begeben und sind schnell fündig geworden: Häufig fehlt der regelmäßige Mehrwert einer App.

Locafox hat die Funktionen von 37 Einzelhändler-Apps auf ihren funktionellen Mehrwert untersucht. Das Ergebnis: Alle Händler versuchen dem Kunden das Einkaufen im Geschäft zu erleichtern. Doch reicht allein das aus? Nein! Denn nur 22 Prozent bieten dem Nutzer redaktionelle Inhalte und 33 Prozent enthalten Tools, die Probleme des Kunden abseits des Kaufprozesses lösen.


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Durchschnittlich 26 Apps auf Smartphones installiert

Das Smartphone spielt in unserem Leben eine immer wichtigere Rolle. Einer Bitkom-Studie zufolge nutzen 63 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahre ein Smartphone. Aus der Studie geht auch hervor: Wir hören damit Musik, surfen im Internet, machen Fotos, kommunizieren und nehmen es als Planungshilfe für den Alltag. Zusammengefasst: Smartphones vereinfachen Aufgaben, unterhalten und helfen uns in Alltagssituationen. Der enorme Funktionsumfang vom Smartphone hat maßgeblich zum Untergang von verschiedensten Produkten, wie etwa dem Radiowecker, beigetragen.

Der typische Smartphonenutzer hat, neben den bereits integrierten Funktionen, gerade einmal durchschnittlich 26 Apps auf seinem Smartphone installiert. Smartphones bieten im Vergleich zum Desktop-PC nur begrenzten Display-Platz, und jeder möchte in der Regel auch etwas Übersicht wahren. Daher schaffen es meist nur Apps mit einzigartigen Funktionen und regelmäßigen Anwendungsfällen auf den mobilen Taschencomputer. Wie können es also Einzelhändler und andere Unternehmen schaffen, regelmäßig Mehrwert zu transportieren, um eine der 26 Apps zu werden?

Der Mehrwert einer App entscheidet am meisten über Erfolg oder Misserfolg

Einzigartig, regelmäßig anwendbar und mobil gedacht: Das ist die Zauberformel für erfolgreiche und moderne Apps. Die von uns getesteten Händler-Shopping-Apps haben gleich mehrere Schwachstellen: Zum einen sind ihre Funktionen, die den Einkaufsprozess unterstützen sollen, kaum einzigartig genug, um User vom regelmäßigen Gebrauch zu überzeugen. Mit anderen Worten: Fast jede App kann dasselbe. Zum anderen gibt es für viele Apps im Alltag kaum ausreichend Anwendungsfälle. Und ein weiteres Problem: Die Apps bieten in der Regel nur Funktionen für eben Geschäfte dieses Händlers – das ist aus Händlersicht logisch, aus Konsumentensicht aber nicht gerade „userfriendly“. Kurzum: Häufig fehlt der USP, das absolute Alleinstellungsmerkmal.

Fast alle der untersuchten Apps bieten mindestens eine der folgenden Funktionen, die dem Kunden zwar den Einkaufsprozess  erleichtern, jedoch darüber hinaus Usern keinen regelmäßigen Mehrwert bieten:

Die Einkaufsliste: Mit kleinen Einschränkungen reicht hier dem Normalverbraucher auch eine allgemeine Einkaufslisten-App, Notiz-App oder einfach das Gedächtnis. Entfällt wie bei der IKEA-App mit Hilfe dieser Funktion das lästige Regal- und Fachnummern aufschreiben, erhöht das den Mehrwert dieser Funktion. Auch eine Reservierungsfunktion für Wunschartikel, die man auf die Einkaufsliste setzt, würde dieses Feature deutlich attraktiver machen. Und dennoch: Eine solche Funktion unterstützt auch wieder nur den Einkaufsprozess und schafft keine Verbindung zu anschließenden Fragestellungen.

Der Filialfinder: Google findet mittlerweile fast alles, auch die Lieblingsfiliale in der Umgebung. Diese Funktion stiftet nur dann Sinn, wenn die jeweiligen Alleinstellungsmerkmale der Filiale hervorgehoben werden.

Gutscheine: An Gutscheinen sind besonders preissensitive Kunden interessiert. Hier konkurrieren die Händler mit diversen Gutscheinsammlungs-Apps, die weitaus mehr Anwendungsszenarien bieten.

Der Produktscanner: Auch in puncto Produktescannen bekommt der User jede Menge Produktinformationen von anderen Apps wie Barcoo und Co.

Wie können Einzelhändler es trotz geringer Interaktionsrate schaffen, einen regelmäßigen Mehrwert in ihre Apps zu integrieren?

Es ergeben sich viele Möglichkeiten, der App einen Mehrwert zu verpassen, wenn man sich auf Kundenprobleme vor und nach dem Einkaufsprozess fokussiert. Den Einkaufsprozess unterstützen zu wollen, muss zur Nebensache werden, wohingegen andere Inhalte zum Hauptgrund für den Download werden müssen. Konsumenten sind interessiert an Problemlösungen, Gebrauchsanweisungen und Tutorials, an Tipps und Tricks, an Zusatzinformationen, Unterhaltung und kreativen Ideen rund um Produkte.

6 Fragen, Die sie sich bei der Ideenfindung stellen sollten

  1. Wie kommt es überhaupt zur Kaufentscheidung?
  2. Wie inspiriert sich der Kunde vor dem Kauf?
  3. Welche Fragen entstehen vor und nach der Kaufentscheidung?
  4. Können Sie die Anwendung Ihrer Produkte erleichtern?
  5. Können Sie die Pflege Ihrer Produkte erleichtern?
  6. Wozu nutzt der Kunde die gekauften Produkte?

Es geht auch anders: Erfolgreiche Praxisbeispiele

bauhaus-app

Die Bauhaus-App hilft Bastlern beim Umsetzen ihrer Bauvorhaben: Nach dem Kauf des neuen Picassos möchte das Bild natürlich auch aufgehangen werden. Nun hat man in der Regel die Wahl: die Wasserwaage suchen oder nach Augenmaß agieren. Oder: Man nutzt kurzerhand die Bauhaus-App. Praktisch!

 

dm-app

Die DM-App ermöglicht Produktpersonalisierung: Wer ideenlos nach einem Geschenk für die Liebsten sucht, dem hilft der Drogeriemarkt DM mit seiner App. Text und Design von ausgewählten Pflegeartikeln können nach Belieben angepasst werden. Braucht man das? Im Alltag eher nicht, aber es ist lustig, einzigartig und kreativ!

 

h&m-app

H&M informiert über die neusten Fashion-Trends: Auf dem Weg zur Arbeit in der S-Bahn noch die neuesten Trends lesen und interessante Produkte gleich in die Einkaufstasche packen? Das ist regelmäßiger Mehrwert mit einzigartigem Inhalt! Shopping at its best!

 

hellweg-app

Hellweg hilft potentiellen Kunden in der Wareneinkaufsplanung: Wie viel Farbe benötigt man eigentlich für ein 20-Quadratmeter-Zimmer? Und wie viele Paneele Laminat müssen zur Fußbodenerneuerung besorgt werden? Hellweg punktet mit einem Feature, das einem auch in anderen Baumärkten etwas nützt. Hilfreich!

 

hornbach-app

Hornbach inspiriert und informiert den Hobby-Bastler mit DIY-Projekten: Welcher Belag ist für die Terrasse der beste und wie baue ich überhaupt eine Terrasse? Hornbach liefert Antworten, die einem zum Anpacken motivieren und dabei helfen! Anregend!

 

saturn-app

Saturn integriert sein Magazin „TURN ON“ in die App:  Die neuesten Technik-News und Testberichte gibt es in Kombination mit speziellen Angeboten im TURN-ON-Magazin von Saturn  in der App. Für Technik-Fans News auf einen Blick!

 

s-oliver-app

Die s.Oliver-App hilft, Fehler beim Waschen zu vermeiden: Was bedeuten eigentlich die ganzen Pflegehinweise für die Waschmaschine? s.Oliver weiß es: zu jeder Zeit und an jedem Ort! Super!

 

Unsere Untersuchung: Die iPhone-Apps der deutschen Einzelhändler im Detail

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Text: Alexander Prietz | Verwendetes Beitragsbild: Auszug aus der Locafox-Infografik „Die iPhone-Apps der deutschen Einzelhändler“, Locafox (c) | Verwendete Screenshots im Artikel: jeweilige Händler

Alexander Prietz

Alexander Prietz ist Online-Marketing-Manager & -Fanatiker bei Locafox in Berlin. Im Locafox-Handelsblog schreibt er über News aus dem Local Commerce, Mobile Commerce und Online Marketing.
E-Mail: alexander.prietz@locafox.de

4 Gedanken zu “Shopping-Apps: So schaffen Händler einen Mehrwert

  1. Shoppingqueen schreibt:

    Was ich in Apps sehr praktisch finde: Wenn die Kundenkarte in der App gespeichert wird und ich nicht die echte Karte dabei haben muss. Die ganzen Karten tragen im Portemonnaie nur auf, andererseits ist es ärgerlich, wenn ich bei einem Spontankauf die Vergünstigungen nicht bekomme. Bei Esprit zum Beispiel rufe ich in der App die Kundenkarte auf, die Kassiererin scannt den angezeigten Barcode und fertig. So muss es sein!

    • Alexander Prietz schreibt:

      Auch das ist eine sehr gelungene Funktion, die den Einkauf erleichtert und die App für den regelmäßigen Esprit-Gänger verbessert. Die Kundenkarte wird obsolet. Großartig! Jedoch auch hier unterstützt man nur den Einkaufsprozess und vermittelt keinen regelmäßigen Mehrwert. Solche Funktionen gehören in jedem Fall in eine App von Einzelhändlern. Darüber hinaus muss jedoch regelmäßiger Mehrwert vermittelt werden. So kann man auch noch Brandingeffekte bei Nicht-Käufern erzeugen und neue Kunden gewinnen. Wenn auch Nicht-Käufer die App nutzen, hat man in der Regel alles richtig gemacht. Das Vorzeugebeispiel aus den USA ist das Pharmazieunternehmen Walgreens. Ein immenser Mehrwert wird dort vermittelt. Hohe Downloadzahlen und extrem gute Bewertungen bestätigen den Erfolg. Beispielsweise ist dort ein Pillenreminder integriert.

    • Mirko Berger schreibt:

      Hallo liebe Claudia,
      vielen Dank für deinen Kommentar – da hast du natürlich Recht. Unsere Entwickler arbeiten bereits fieberhaft an unserer Android-Version, die wir in diesem Herbst noch releasen werden. Wenn du magst, halten wir dich gerne dazu auf dem Laufenden. Viele Grüße aus dem Locafox-Office! 🙂

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