PwC-Studie Total Retail 2016 – Mobiel-Commerce wird beliebter – Titelfoto

PwC-Studie: Der Kunde von morgen kauft bevorzugt mobil ein

Der stationäre Handel ist vor allem bei den Digital Natives zwischen 18 und 24 Jahren beliebt, und immer mehr Menschen nutzen zum Shoppen das Smartphone. Zu diesen Ergebnissen kommt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in ihrer neuesten Studie „Total Retail 2016“. Bis zum Jahr 2020 werde Mobile-Shopping voraussichtlich für 75 Prozent der Käufer zumindest in ausgewählten Produktkategorien selbstverständlich zum Alltag gehören. Währenddessen zeigt sich für den E-Commerce in einzelnen Produktsegmenten eine Sättigungstendenz.

 

Digital-Natives bekennen sich zum stationären Handel

DDer Online-Handel in Deutschland boomt, viele Innenstädte dagegen leeren sich. „Prognosen, wonach bis 2020 rund 50 000 Geschäften das Aus droht, sind nicht übertrieben. Das wird eher die Untergrenze sein“, warnte der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein vor Kurzem in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dennoch ist das Ladengeschäft keinesfalls ein Auslaufmodell; zu diesem Schluss kommt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in ihrer neuesten Studie „Total Retail 2016 – Der Wettlauf um Relevanz“, für die 1 000 deutsche Online-Shopper befragt worden sind. Die Analyse ist Teil einer weltweiten Umfrage mit mehr als 23 000 Teilnehmern in 25 Ländern.

Zwar gab die Hälfte der deutschen Befragten (51 Prozent) über alle Produktkategorien hinweg an, dass sie Produkte bevorzugt online recherchieren – bei Produktkategorien wie Unterhaltungselektronik oder Bücher, Musik, Filmen und Videospielen liegt dieser Wert sogar bei 69 Prozent bzw. 76 Prozent –, doch die Kunden lassen sich im Geschäft gern beraten und inspirieren oder probieren dort Produkte aus. Ende 2015 kam PwC in einer weiteren Studie bereits zu dem Schluss, dass dieses ROPO-Verhalten (Research Online, Purchase Offline) bei immer mehr Konsumenten zu beobachten ist. Das Prinzip steht auch hinter dem Marktplatz von LocaFox, auf dem Konsumenten Informationen zu Produkten aus Geschäften in ihrer Umgebung erhalten.

Laut Total-Retail-2016-Studie bestätigten rund 75 Prozent der Konsumenten, dass sie mindestens einmal im Monat Non-Food-Produkte im Geschäft einkaufen (davon 11,7 Prozent täglich; 34,4 Prozent wöchentlich; 29,2 Prozent monatlich). Speziell die Gruppe der sogenannten Digital-Natives, also Konsumenten zwischen 18 und 24 Jahren, bekennt sich klar zum stationären Handel: 61 Prozent der Befragten gaben an, sie würden am liebsten im stationären Handel einkaufen. „Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen, dass der stationäre Handel nicht nur ein Relikt für ältere Konsumenten wie die Silver Surfer ist, sondern junge Konsumenten es sogar häufiger als der Durchschnitt bevorzugen“, heißt es in der Studie.

Die PwC-Studie "Total Retail 2016" zeigt, dass Konsumenten online wie auch stationär shoppen.

Deutsche Konsumenten kombinieren während des Einkaufs immer mehr Online- und Offline-Kanäle. (Grafik: PwC „Total Retail 2016“ (c))

Voraussetzung für den stationären Kauf sei aber, dass Kunden im Geschäft gut beraten werden und ein besonderes Einkaufserlebnis erwarten dürfen, etwa durch ein ansprechendes Ambiente. „Hier zeigt sich, wie wichtig die konsequente Verzahnung aller Shopping-Kanäle für die Kundenbindung ist. Kunden kombinieren heute online und offline, um sich umfassend zu informieren. Die Verbindung dessen – Omni-Channel – ist daher zur Erfolgsformel für den Handel geworden“, resümiert Gerd Bovensiepen, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC.

Mobile-Commerce steigt weiter

Wieso das wichtig ist, zeigt sich auch mit Blick auf die mobil beeinflussten Käufe. Die Anzahl der Kunden in Deutschland, die mindestens einmal monatlich einen Kauf über ihr Smartphone tätigen, ist in den vergangenen vier Jahren von 11 auf 35 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Konsumenten, die noch nie mobil gekauft haben, von 70 auf 48 Prozent gesunken. Bis zum Jahr 2020 wird Mobile-Shopping laut PwC-Studie voraussichtlich für 75 Prozent der Käufer zumindest in ausgewählten Produktkategorien selbstverständlich zum Alltag gehören. Vorangetrieben werde diese Entwicklung vor allem von den Konsumenten zwischen 18 und 34 Jahren. „Im Mobile-Shopping liegt für den deutschen Handel noch großes Potenzial“, sagt Gerd Bovensiepen, „nur die Unternehmen, die spätestens jetzt eine Mobile-Commerce-Strategie entwerfen und diese beständig weiterentwickeln, werden auch in Zukunft erfolgreich sein.“ Der außerordentlich stark wachsende Zugriff auf Online-Shops über Smartphones in Deutschland und weltweit demonstriere die voranschreitende Digitalisierung und die Dynamik im Konsumentenverhalten. Diese Entwicklung führe zu einer noch stärkeren Fragmentierung der Customer-Journey und unterstreiche die zunehmende Bedeutung von Omni-Channel-Geschäftsmodellen. Mehr über Mobile-Commerce lesen Sie in unserem Blog-Beitrag „Das Kaufhaus auf dem Handy“.

Der stationäre Handel ist nach wie vor der wichtigste Kontaktpunkt zum Konsumenten

(Grafik: „Total Retail 2016“ – PwC (c))

Sättigungen im Online-Handel

Während das Mobile-Geschäft stark wächst, zeigen sich in der Vorliebe der Konsumenten für den Online-Einkauf in einzelnen Produktsegmenten erste Sättigungstendenzen, etwa in den Kategorien Bücher, Musik, Filme und Videospiele, Unterhaltungselektronik und Computer, Haushaltsgeräte, Spielzeug sowie Kleidung und Schuhe. Bedeutet: Hier hat der Online-Handel langsam sein Maximum erreicht. Großes Wachstumspotenzial für den E-Commerce sehen die Experten dagegen noch bei Möbeln und Haushaltswaren, bei Heimwerkerprodukten und bei Lebensmitteln, wo die Kunden zwar nach wie vor den Einkauf im stationären Geschäft bevorzugen, der Online-Kauf jedoch immer beliebter wird. „Das unterstützt unsere Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr und macht deutlich, dass sich die Sättigungstendenzen in den Pionierkategorien des Online-Handels weiter verfestigen“, so Bovensiepen.

Zitat zur Sättigung im Online-Handel in der PwC-Studie Total Retail 2016

Aus: „Total Retail 2016“ von PwC

Soziale Medien entwickeln sich zum Shopping-Kanal

Benedikt Schmaus, Digital-Experte bei PwC-Strategy, prognostiziert: Wenn Händler ihre Produkte auf allen Kanälen anbieten möchten, müssen sie künftig einen weiteren in den Blick nehmen: die sozialen Medien, die sich als eigener Shopping-Kanal etablieren werden. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich große Social-Media-Player wie Facebook, Instagram oder Pinterest noch stärker im Social-Commerce-Bereich etablieren werden, auch in Deutschland. Kauf-Buttons, die auf Social-Media-Plattformen integriert sind, oder Messenger-Apps werden die nächste große Innovationswelle im Handel sein.“ Die Studie zeigt, dass soziale Medien großen Einfluss insbesondere auf junge Konsumenten haben: 77 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und 81 Prozent der 25- bis 34-Jährigen bestätigen, dass sie bereits dadurch in ihrem Kaufverhalten geleitet wurden.

Omni-Channel: Total Retail die Zukunft

„Händler stehen derzeit weltweit vor der enormen Aufgabe, mit den Veränderungen des Konsumentenverhaltens Schritt zu halten und die erforderliche Transformation erfolgreich zu bewältigen. Händler, die diese Transformation hin zu ‚Total Retail‘ erfolgreich umsetzen, werden sich in Zukunft neue Marktanteile sichern – im Gegensatz zu den Händlern, die unverändert an bisherigen Strategien festhalten“, heißt es in der PwC-Studie. „Unsere Erfahrung zeigt, dass die digitale Transformation, die der Handel derzeit durchläuft, sich im Unternehmen nicht als punktuelle Transformation, sondern als kontinuierlicher Prozess darstellt. Diesen Transformationsprozess können Händler nur dann erfolgreich managen, wenn sie ein digitales Denken und Handeln in ihre unternehmerische DNA integrieren.“

 

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Text: Thilo Grösch | Verwendetes Beitragsbild & Grafiken im Text: „Total Retail 2016“ – PwC (c)

Thilo Grösch

PR-Manager bei LocaFox
Thilo Grösch ist PR-Manager und Pressesprecher bei LocaFox in Berlin. Der 31-jährige Wahl-Berliner und ehemalige Journalist betreut das LocaFox-Handelsblog und schreibt über den digitalen Wandel im Stationärhandel, Local Commerce, Mobile Commerce und Shopping. Zudem betreut er "LocaFox-News" und schreibt dort über News aus dem Unternehmen.
E-Mail: thilo.groesch[at]locafox.de

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