Mobile Commerce: Das Kaufhaus auf dem Handy

Mobile Commerce, also das Shopping über mobile Endgeräte, ist auf dem Vormarsch. Das zeigen diverse aktuelle Studien und Umfragen. Locafox hat die spannendsten Zahlen für euch zusammengetragen.

 

RRund 40 Millionen Deutsche nutzen regelmäßig ein Smartphone. Tendenz: steigend. Einer Statista-Prognose zufolge wird es 2018 weltweit rund 2,73 Milliarden Smartphone-Nutzer geben – rund 1,3 Milliarden mehr als im Jahr 2013. Ob in der U-Bahn, auf der Straße oder abends im Club – die mobilen Mini-Computer-Telefone sind unverzichtbare Begleiter im digitalen Zeitalter geworden.

Nach einer Studie von Tomorrow Focus Media aus dem April dieses Jahres trägt jeder zweite befragte Besitzer sein Smartphone bereits rund um die Uhr bei sich. In Betrieb ist es im Durchschnitt beachtliche 18 Stunden pro Tag.

Das Smartphone beim Shoppen

Auch beim Shoppen wird das handliche Gerät häufig aus der Hosentasche gezückt: zum Preisvergleich, zur Informations- und Shopsuche sowie natürlich zum Produktkauf bei den bekannten E-Commerce-Anbietern. Im Mai 2014 verwendeten rund 57 Prozent der Smartphone-Nutzer ihren täglichen Begleiter zum Einkaufen – 17 Prozent mehr als noch im Frühjahr 2013. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage zum Thema „Mobiler Einkauf und Bezahlung mit dem Smartphone und Tablet“ des bevh und Boniversum. Im Europavergleich ist Deutschland hinter Großbritannien die Nummer zwei beim mobilen Handel (Mobile Commerce). 2014 sollen sich die Umsätze im M-Commerce in Deutschland gar auf 6,6 Milliarden Euro verdoppeln; 4,1 Milliarden Euro davon stammen vom Smartphone, 2,5 Milliarden Euro werden via Tablet umgesetzt. Das sind die Ergebnisse einer Mobile-Commerce-Untersuchung des Centre for Retail Research (CRR) und Deals.com:

infografik-mobile-commerce-by-crr-and-deals.com

 

Studie: Jeder zweite shoppt auch mit dem Smartphone

Besonders jüngere Menschen zwischen 18 und 39 Jahren greifen laut der M-Commerce-Umfrage des bevh und Boniversum auch beim Shoppen gerne mal zum Smartphone (73 Prozent). Trennt man insgesamt nach Geschlechtern, sind kaum Unterschiede erkennbar: Knapp 59 Prozent der Männer und etwas mehr als 56 Prozent der Frauen gaben an, per Tablet oder Smartphone einzukaufen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine aktuellere Statista-Umfrage, die von der Otto Group in Auftrag gegeben wurde. Darin wurde ermittelt, wie Smartphone-Nutzerinnen beim mobilen Online-Shopping vorgehen. Mit 63 Prozent shoppen rund zwei Drittel der befragten Kundinnen auch mobil. Besonders interessant: Viele Frauen frönen dem Mobile Shopping vorwiegend gemütlich auf der Couch (73 Prozent), beim Fernsehen (59 Prozent) oder im Bett (52 Prozent). Das Wort „mobil“ ist hier vielleicht in einem anderen Kontext zu sehen …

17 Prozent nutzen dabei vornehmlich Shopping-Apps; häufiger wird jedoch der klassische Internetbrowser auf dem Gerät genutzt (30 Prozent). QR-Codes, die zum Beispiel auf einigen Werbeplakaten oder in Schaufenstern von Händlern zu sehen sind, werden hingegen gar nicht genutzt, um mobil zu shoppen.

 

„Viele mobile Online-Shops sind schlecht zu bedienen.“

 

Auf die Frage nach den größten Problemen beim mobilen Einkaufen antworteten 43 Prozent der befragten Frauen, dass viele mobile Online-Shops schlecht zu bedienen sind, ebenfalls 43 Prozent gaben an, sich Sorgen über die Datensicherheit beim Bezahlen bei mobilen Online-Shops zu machen und 39 Prozent empfinden den Seitenaufbau vieler Shops auf dem Smartphone als zu langsam. Dagegen finden 53 Prozent der Smartphone-Nutzerinnen den persönlichen Kontakt zum Verkäufer wichtig, und 50 Prozent schätzen die Möglichkeit des Warenumtauschs im Geschäft – ein gutes Zeichen für stationäre Händler.

Weitere Umfrage-Ergebnisse hat t3n-Redakteur Jochen G. Fuchs in seinem Artikel „Was Frauen wollen: Vorlieben beim M-Commerce“ zusammengetragen.

Die Top-5-Kategorien im Mobile Commerce

In welchen Kategorien und Segmenten wird im Mobile Commerce am meisten geshoppt? Die Ergebnisse einer Auswertung von comScore zu den Segmenten im Mobile Commerce mit der stärksten Nutzung durch männliche Smartphone-Besitzer im Jahr 2013 zeigen: Etwas mehr als ein Drittel (36,5 Prozent) der Mobile-Shopper kaufen Artikel aus dem Segment Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte. 31,4 Prozent legen sich neue Bekleidung und Accessoires zu, knapp 29 Prozent shoppen mit ihrem Smartphone Bücher (keine E-Books).

Screenshot: Statista

Screenshot: Statista

 

Das mobile Internet für sich nutzen

Für stationäre Händler bietet das mobile Internet ein riesiges Potential: 50 Prozent der Konsumenten, die eine mobile lokale Suche im Internet durchführen, gehen einer Google-Studie aus dem Mai 2014 zufolge noch am selben Tag ins Geschäft. Aber wie können Händler die steigende Nutzung von Smartphones und Tablets im Alltag für sich nutzen?

Obwohl der Online-Handel boomt, beschreibt sich die Hälfte der deutschen Bevölkerung nach einer aktuellen Studie des E-Commerce-Center Köln (ECC Köln) selbst als traditionelle Handelskäufer. Doch wer unterwegs ist, findet häufig nicht genügend Informationen: 69 Prozent aller Konsumenten im stationären US-Handel wünschen sich laut einer Studie von JiWire, bei der die Nutzungstrends im Mobile Commerce analysiert wurden, Zusatzinformationen auf ihr Smartphone, während sie im Ladengeschäft unterwegs sind.

Abhilfe können Location-Based-Services (LBS) schaffen: Sie ermöglichen es Nutzern, mobil mit ihrer Umwelt zu interagieren, und geben Händlern die Chance, Konsumenten, die in der Nähe sind, zum Beispiel aktuelle Angebote oder Rabattaktionen auf das Smartphone zu übermitteln. „Individuelle CRM-Maßnahmen für Smartphones und Tablets sind von großer Bedeutung, um den Kunden Echtzeit-POS-Angebote zu machen, wenn sie in der Nähe des Geschäftes sind“, sagt Handelsexperte und Unternehmensberater Wolfgang Lux.“ Auch die iBeacon-Technologie, mit der sich Produkte zu einem interaktiven Device machen lassen, halte ich für sehr sinnvoll. So lässt sich eine Beziehungsebene zwischen den Produkten im Markt und dem Kunden herstellen, und Kauf-Entscheidungen können daraus in Echtzeit abgeleitet werden.“

Eine andere Möglichkeit sind Online-Coupons: Die Infografik der standortbasierten US-Händler-Werbeplattform Spotzot, in der die Ergebnisse zahlreicher Studien dargestellt werden, zeigt u. a.: Vier von fünf Konsumenten nutzen das Smartphone für den Prozess des Einkaufens, und Smartphone-Nutzer sind eher dazu bereit, Coupons auf ihrem Smartphone einzulösen als Konsumenten, die die Gutscheine ausgedruckt mitbringen (gefunden auf LocationInsider):

retail-infografik-mobile-commerce

Das ungeliebte „Showrooming“

Besonders unbeliebt bei stationären Händlern ist das sogenannte „Showrooming“: Konsumenten vergleichen im Laden mit dem Smartphone die Preise vor Ort mit denen bei Internetanbietern, lassen sich vom Verkäufer ausführlich beraten und verlassen anschließend das Geschäft ohne Kaufabschluss, um im Netz zu kaufen. Besonders häufig ist dieses Vorgehen bei den U30-Jährigen zu beobachten (43 Prozent). Im Durchschnitt verbringt ein Mobile-Shopper laut des aktuellen Euclid Benchmark Reports 27 Minuten im Laden vor Ort.

Doch standortgebundene Händler sollten nicht verzagen: Es geht auch umgekehrt. Beim „umgedrehten Showrooming“ informieren sich Verbraucher vor einem Kauf ausführlich im Internet über Produkte, die sie anschließend im stationären Handel in einem Geschäft in ihrer Nähe kaufen (41 Prozent laut aktueller GfK-Studie). Dieses Kaufverhalten ist auch bekannt unter dem Kürzel ROPO – Research Online, Purchase Offline. Mehr Informationen dazu und dem daraus resultierenden Potential für Stationärhändler gibt es in unserer Blog-Kategorie „ROPO“.

Gerade weil Mobile Commerce immer mehr an Bedeutung gewinnt, wird auch Locafox in den kommenden Wochen auch als App für iPhones verfügbar sein. So können Verbraucher auch von unterwegs aus bequem nachschauen, wo in ihrer Nähe Geschäfte sind, die ein gesuchtes Produkt verfügbar haben.

 

Mobile Payment: 12,5 Prozent der Transaktionen in Europa werden mittels Mobilgerät abgewickelt.

 

Mobile Payment: Mit dem Smartphone bezahlen

Im Zuge der wachsenden Beliebtheit von Mobile Commerce steigt auch die Bereitschaft der Kunden, mit ihrem Smartphone beim Shopping zu bezahlen. Rund ein Drittel der Smartphone-Nutzer würde laut einer Umfrage das Smartphone auch als Zahlungsmittel verwenden. Insgesamt stehen die Deutschen nach einer Forsa-Umfrage des Stern dem Bezahlen mit dem Smartphone jedoch sehr kritisch gegenüber: Für 78 Prozent kommt das nicht in Frage. So verwundert es auch nicht weiter, dass Mobile Payment, besonders in Europa, noch Luft nach oben hat. Aktuelle Zahlen des „Global Mobile Payment Snapshot 2014“ von Mobile-Payment-Anbieter Omlis zeigen: Erst rund 12,5 Prozent der Transaktionen in Europa werden mittels Mobilgerät abgewickelt.

In Deutschland steht das Bezahlen mit dem Smartphone anstelle von Bargeld oder Kredikarte noch ganz am Anfang. Nur vereinzelt lässt sich mit dem Smartphone bezahlen, zum Beispiel beim Fahrkartenkauf für den öffentlichen Nahverkehr (Rhein-Main-Verkehrsverbund). Der mit dem neuen Apple iPhone 6 eingeführte Bezahldienst „Apple Pay“ auf NFC-Basis will die physische Kreditkarte überflüssig machen – ist bisher jedoch nur in den USA verfügbar. Immerhin unterstützt der deutsche Lebensmitteldiscounter Netto seit Ende Oktober dieses Jahres das mobile Bezahlen via Apple Touch ID. Das ermöglicht es Besitzern eines Apple iPhone 5S, iPhone 6 oder iPhone 6 Plus (mit der aktuellen Betriebsversion iOS 8), Einkäufe per Fingerabdruck zu autorisieren. Und auch in ausgewählten Märkten der Supermarktkette Edeka gibt es eine Mobile-Payment-Option.

Dass Mobile Payment hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt, liegt u. a. auch daran, dass klassische PoS-Systeme ohne digitale Funktion im stationären Handel noch sehr verbreitet sind. In einer mobilen und vernetzten Welt stellen sie jedoch eine große Einschränkung für Kunden wie für Händler dar.

Responsive oder Adaptive? Der optimale Smartphone-Shop im Mobile Commerce

Was einen optimalen Shop für Mobile Commerce ausmacht, dieser Frage ist das Blog konversionsKRAFT in Deutschlands Top-100-Shops auf den Grund gegangen:

(Grafik: konversionsKRAFT)

 

Mobile Commerce mit seinem Facettenreichtum ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch – und damit für Händler ein wichtiges Thema. Immer mehr Konsumenten greifen zum bzw. beim Shoppen zum Smartphone oder dem Tablet. Auf unserem Locafox-Blog finden Händlerinnen und Händler zukünftig in einer eigenständigen Kategorie mehr zu den Themen Mobile Commerce und Mobile Payment.

 

 

Text: Thilo Grösch | Verwendete Infografiken: Deals.com, Statista, Spotzot, konversionsKRAFT | Verwendetes Beitragsbild: Fotolia.com – Andres Rodriguez (c)

Thilo Grösch

Unternehmenssprecher bei LocaFox
Thilo Grösch ist PR-Manager und Unternehmenssprecher bei LocaFox in Berlin. Der 32-jährige Wahl-Berliner und ehemalige Journalist betreut das LocaFox-Handelsblog und schreibt über den digitalen Wandel im Stationärhandel, Local Commerce, Mobile Commerce und Shopping.
E-Mail: thilo.groesch[at]locafox.de

2 Gedanken zu “Mobile Commerce: Das Kaufhaus auf dem Handy

  1. Johanna schreibt:

    Lieber Thilo,
    ein wirklich sehr umfangreicher Artikel über Mobile Commerce. Vielen Dank dafür… 🙂
    Auch ich, für meinen Teil, kaufe fast alles über mein Smartphone ein. Oft unterwegs, wenn ich etwas sehe, dass mir gefällt. Aber auch zu Hause, wenn ich dafür nicht extra meinen Computer hochfahren möchte. Meist bin ich allerdings auf den gleichen „großen“ Online-Shops, weil, wie ich finde, die Auswahl von richtig guten Shops immer noch nicht riesig ist.
    Besonders jetzt, wo Google Mobile Friendly zum Ranking-Fraktor erklärt, sollte es für viele Shops doch noch wichtiger geworden sein, eine mobile Version des Online-Shops zu haben. Mir stellt sich dabei nur die Frage, ob das auch wirklich für alle Shops gilt?

    Um allen Shop-Inhabern, die sich noch unsicher sind, belastbare Daten in die Hand geben zu können, haben wir eine Formel erstellt, mit der jeder mittels Umsatz und einigen Analytics-Daten über Nutzer der potenzielle Verlust berechnet werden kann, wenn die mobile Version fehlt. Mit den Zahlen kann dann jeder selber evaluieren, ob ein mobiler Shop wichtig für ihn ist.

    Im folgenden Bereicht wird Schritt für Schritt gezeigt, wie die Formel anzuwenden ist. Zusätzlich werden noch ein paar weitere Faktoren betrachtet.

    http://www.flyacts.com/mobile-commerce-teil1-anhand-von-daten-richtige-entscheidungen-treffen

    Im zweiten Teil der Reihe geht es dann in die Zieldefinition, Kundenanalyse und in die technische Erläuterung eines mobilen Shops:

    http://www.flyacts.com/mobile-commerce-teil2-aufstieg-zur-mobilen-shopping-strategie

    Gerade Shops, die sich noch unschlüssig sind, kann mit den Publikationen viel geholfen werden. Wer Fragen hat, kann sich natürlich gern an mich wenden.

    Liebe Grüße, Johanna

  2. Lisa schreibt:

    Es ist interessant zu sehen, wie sich die Nutzung im Jahr 2017 auf die mobilen Endgeräte verschoben hat. Was mich interessiert ist, wie viele Leute tatsächlich mittlerweile über mobile Endgeräte kaufen. Ich persönlich kaufe nur auf dem Desktop ein. Gibt es dazu eventuell schon eine Studie / ein Beitrag?
    Viele Grüße

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