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Capgemini-Studie: Stationärer Handel zu langsam bei der Digitalisierung?

40 Prozent der Deutschen empfinden den Besuch im Einzelhandel als eine unangenehme Pflicht. Was fehlt sind Komfort und Funktionen ähnlich dem Einkauf im Internet sowie eine Verknüpfung von offline zu online. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Management- und IT-Beratungsunternehmens Capgemini.

Stationärer Handel nicht kundenorientiert genug

Im internationalen Vergleich fällt die Unzufriedenheit beim stationären Shoppen in Schweden (54 Prozent) und Spanien (49 Prozent) am größten aus, in China (20 Prozent) und den USA (31 Prozent) am niedrigsten. Ähnlich das Bild auf Seiten des Handels: Unter den dortigen befragten Führungskräften hierzulande geben 60 Prozent zu, bei der Digitalisierung des stationären Handels zu langsam zu sein. Damit liegen deutsche Händler knapp über dem internationalen Durchschnitt (54 Prozent). Zu diesen Ergebnissen kommt der neue Report des Digital Transformation Institute (DTI) von Capgemini.

Die Grafik von Capgemini zeigt, in welchen Ländern Menschen den stationären Handel als Pflicht empfinden.

Grafik: Capgemini

Was deutsche Kunden am stationären Einzelhandel besonders kritisieren:

  • 71 Prozent finden es schwierig, Produkte zu vergleichen.
  • 66 Prozent finden schlichtweg die gesuchten Produkte nicht.
  • 66 Prozent stören sich an langen Warteschlangen an der Kasse.
  • 59 Prozent beanstanden, dass Werbeaktionen im Laden für sie irrelevant sind.

„Können sich Händler leisten, nichts zu tun?“

Marc Rietra von Capgemini

Marc Rietra, Capgemini (Foto: Privat)

„Da die meisten Geschäfte auf stur stellen und komplett offline bleiben, verfehlen sie die Wünsche ihrer heutigen Kunden: Flexibilität, Tempo und Komfort“, resümiert Marc Rietra, Leiter Consumer Goods & Retail bei Capgemini. „Verbraucher sagen, selbst Wäsche waschen mache mehr Spaß als einkaufen zu gehen. Das ist ein deutliches Signal. Die Gerüchte vom Tod des klassischen Ladengeschäfts mögen übertrieben klingen, aber ganz weit hergeholt sind sie nicht. Viele Händler geben zu, bei der Digitalisierung ihrer Läden zu langsam zu sein, weil oft der Business Case für die Finanzierung fehlt. Dabei sollten sie sich weniger fragen, ob sie sich die Modernisierung leisten können, sondern ob sie sich leisten können, nichts zu tun“, so Rietra weiter. Wolle der stationäre Einzelhandel auch zukünftig Verbraucher vom Rechner weg in seine Läden locken, dann müsse er sich neu erfinden und seinen Geschäften einen gänzlich anderen Look verpassen. Denn: Dreiviertel aller Verbraucher möchten laut Studie die Waren vor dem Kauf sehen und anfassen können. Das kann Karl Josef Seilern, CEO von LocaFox, bestätigen: „Der Wunsch, ein Produkt auszuprobieren, führt bei zwei von drei Konsumenten nach Zahlen der DigitasLBi zu einem Besuch in den Geschäften, jeder Zweite möchte das gewünschte Produkt sofort mitzunehmen.“ LocaFox hilft stationären Händlern dabei, online die Kunden an diversen Touchpoints zu erreichen und stellt dafür B2B-Services sowie einen lokalen Online-Marktplatz zur Verfügung.

Die Grafik von Capgemini zeigt, die Top-Gründe für die langsame Umsetzung der Digitalisierung im stationären Handel

Grafik: Capgemini

Für die Untersuchung des Digital Transformation Institute (DTI) von Capgemini wurden rund 6 000 Verbraucher in den USA, China, Deutschland, Schweden, Italien, Frankreich, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden nach ihrer Meinung zum Einkaufen online und im Laden befragt. Auch über 500 Führungskräfte aus Handelsunternehmen in diesen neun Märkten kamen in den Untersuchungen zu Wort. Den vollständigen Studienbericht sowie weiterführende Informationen stellt Capgemini auf seiner Seite zur Verfügung.

 

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Text: Thilo Grösch | Verwendetes Beitragsbild: Thilo Grösch | Verwendete Grafiken im Text: Capgemini

Thilo Grösch

PR-Manager bei LocaFox
Thilo Grösch ist PR-Manager und Pressesprecher bei LocaFox in Berlin. Der 31-jährige Wahl-Berliner und ehemalige Journalist betreut das LocaFox-Handelsblog und schreibt über den digitalen Wandel im Stationärhandel, Local Commerce, Mobile Commerce und Shopping. Zudem betreut er "LocaFox-News" und schreibt dort über News aus dem Unternehmen.
E-Mail: thilo.groesch[at]locafox.de

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